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BAUWESEN - Wasserbau - Hong Kong `99

Vortrag über Landgewinnung durch Aufschüttung und Aufspülung in Hong Kong

 

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5.Kai Tak
1957 wurde der ehemalige Kleinflughafen Kai Tak, welcher bis dahin nur über zwei kurze Landebahnen verfügte, ausgebaut. Dazu wurde eine Landebahn und ein Taxiway mit je 2500m , welche internationalen Flügen genügen, in die Bucht geschüttet (siehe Abb.5). Abgesehen davon, daß mehrere Häuser in der Einflugschneise abgerissen wurden, um den kritischen Anflug überhaupt zu ermöglichen, mußten weitere Aspekte in Betracht gezogen werden. Im gesamten Bereich des Spüldeiches wurde der Schlamm ausgebaggert. Unter den Landebahnen wurde die Schlammschicht durch baggern verringert, um die Setzungen auf 150mm bis zum Bau der Betondecke der Bahnen zu reduzieren. Eine Gesamtsetzung von 300 bis 600mm in den nächsten 20 Jahren wurde vorhergesagt. Im Gegensatz zum Chek Lap Kok Flughafen (Bauphase 1981-1998) wurde der Baugrund nicht drainiert. Mit dem fortwährenden Boom der Wirtschaft in Hong Kong wurde schon Anfang der 70er Jahre vorhergesagt, daß die Kapazitäten des Flughafens bald erschöpft seien. Daher begann man Ende der 70er Jahre mit der Planung eines neuen Flughafens, welcher weiter außerhalb liegen sollte, um die Umweltbelastungen durch Lärm und Abgase zu verringern. Heute, nachdem die Fläche nicht mehr als Flughafen genutzt wird, haben sich zahlreiche Planer Gedanken über die weitere Nutzung der Fläche gemacht. Da es sich dabei um ein "Sahnestück" handelt, ist vorallem eine Nutzung für Dienstleistungsgewerbe und Wohnungen geplant. Dieses verspricht aufgrund der exorbitanten Immobilienpreise die größten Renditen. In Kürze werden einige angrenzende Flächen aufgeschüttet, um die Pläne in die Tat umzusetzen.
6. Chek Lap Kok
Wie schon im vorausgegangenen Text angedeutet, ist der Chek Lap Kok International Airport (Abb.7) eines der größten Neubauprojekte Hong Kongs. Da der ehemalige Kai Tak Airport überlastet war, durch seine zentrale Lage aber nicht weiter ausbaufähig, mußte ein neuer Standort gesucht werden. Durch die bergige Landschaft blieb den Planern nur der Ausweg auf das Wasser. Die im Nordwesten von Lantau Island liegende kleine Insel Chek Lap Kok wurde ausgewählt. Zuerst wurde von 1981 bis 1983 eine kleine Testaufschüttung gebaut, um verschiedene Drainagemethoden zu testen (Abb.6). Das Testgelände bestand aus weichem Schlamm (5-10m Dicke) mit einer Aufschüttung aus Schotter. Dieses Testgelände half den Ingenieuren die Entstehung von Schlammwellen während der Bauphase zu verstehen und zu unterbinden. Außerdem half es dabei, die gewaltigen Schlammengen zu beherrschen, ohne sie abbaggern zu müssen. Anfang der 90er Jahre wurde die komplette Planung revidiert, da plötzlich mehr Land gewonnen, und dazu noch die Bauzeit verkürzt werden sollte. Daher wurde unter der gesamten projektierten Fläche der Schlamm entfernt um die Setzungen auf 400 bis 500mm in 10 Jahren zu begrenzen. Die ehemalige kleine Insel Chek Lap Kok wurde vollständig abgetragen und der anfallende Schutt in die Aufschüttung eingebracht. Die Mächtigkeit der Aufschüttung beträgt 10 – 25m. Große Teile des Füllsandes wurden mit Hopperbaggern antransportiert. Heute ist der Flughafen in vollem Betrieb und durch seine Größe sehr beeindruckend. Zwischen den Gates und dem Hauptgebäude verkehrt eine vollautomatische U-Bahn, um die Passagiere über die teilweise beachtlichen Strecken zu transportieren. Den Piloten erspart der großräumige Anflugkorridor die legendäre Landung von Kai Tak. Besonders positiv ist jedoch die dadurch aus dem Zentrum verschwundene Lärmbelästigung durch Flugzeuge, von dem verringerten Gefahrenpotential ganz zu schweigen.
7. Schlußfolgerung
Baulandgewinnung durch Aufschüttung und Aufspülung hat in vielen asiatischen Ländern bereits "Tradition". Man muß sie als effektives Mittel würdigen. Leider bedeutet sie auch einen durchaus bemerkbaren Eingriff in die bestehenden Ökosysteme. Zum Beispiel haben die veränderten Strömungsverhältnisse tiefgreifende Folgen. Es ist fragwürdig, ob eine weitere Verdichtung des Stadtgebietes in jedem Fall wünschenswert ist. Hong Kong ist zwar klein, verfügt jedoch über genügend Ressourcen für Bauland in den New Territories, und muß daher nicht um jeden Preis den kostspieligen und langwierigen Weg der Aufschüttung wählen. Ist es wirklich notwendig die Aufschüttungen weiter voran zutreiben, bis Hong Kong keine Insel mehr ist, sondern mit Kowloon eine Halbinsel bildet?
8. Schrifttum
  [1] Hong Kong Government (1995) Coastal Infrastructure Development  
  Civil Engineering Office in Hong Kong Begleitendes Buch zum
"Symposium on Hydraulics of Hong Kong Waters" Nov. 1995

 
  [2] Hong Kong Government (1997) Geo Report No. 63 J.S.M.KWONG  
  Civil Engineering Office "A Review of some drained Reclamation works in Hong Kong"

 
  [3] Hong Kong Government (1995) Geo Report No.33 E.B. CHOOT  
  Civil Engineering Office "An Evaluation of the suitability of decomposed granite as foundation backfill for gravity seawalls in Hong Kong"

 
     
 
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